Jahresbericht RIAS Hessen 2025
Grußwort OFEK Hessen
Inhalt
Der Jahresbericht von RIAS Hessen dokumentiert für das Jahr 2025 insgesamt 1.099 antisemitische Vorfälle in Hessen. Damit setzt sich der bereits im Vorjahr (926 Fälle) erfasste Anstieg fort. Diese Entwicklung verweist auf antisemitische Kontinuitäten und Gewalt, die seit dem 7. Oktober 2023 deutlich an Umfang und Intensität gewonnen haben. Parallel dazu verzeichnet OFEK Hessen einen signifikanten Anstieg an Beratungsfällen, der weiterhin deutlich über dem Durchschnittsniveau der Zeit vor dem 7. Oktober 2023 liegt.
Die kontinuierliche Erfassung und differenzierte Analyse antisemitischer Vorfälle durch RIAS Hessen stellt eine unverzichtbare empirische Grundlage dar. Sie ermöglicht nicht nur die Sichtbarmachung antisemitischer Gewaltpotenziale, sondern auch die Einordnung gesellschaftlicher, politischer und medialer Verknüpfungen sowie ihrer Veränderungen. Der vorliegende Bericht verdeutlicht eindrücklich die Mehrdimensionalität antisemitischer Erfahrungen und macht deutlich, dass kein gesellschaftlicher Bereich davon ausgenommen ist. Die Verteilung der dokumentierten Vorfälle über unterschiedliche Lebensbereiche hinweg unterstreicht die Beständigkeit und Virulenz des Antisemitismus – sowohl im öffentlichen Raum als auch im unmittelbaren sozialen Umfeld.
Besonders hervorzuheben ist, welche Bedeutung Bildungseinrichtungen als Schauplätzen antisemitischer Anfeindungen seit Jahren zukommt und wie sehr sich die Situation in diesem mit existenziellen Fragen nach Teilhabe und Lebensperspektiven verbundenen gesellschaftlichen Bereich immer weiter zuspitzt – mit steigenden Zahlen, aber auch mit neuer Qualität und Intensität. Antisemitismus geht weit über atmosphärische Bedrohungsbotschaften hinaus: Jüdische Menschen werden unmittelbar adressiert.
Antisemitismus trifft immer konkrete Personen und entfaltet direkte Wirkungen – es ist kein abstraktes Phänomen. Ob in Schule, Hochschule, Nachbarschaft, öffentlichem Nahverkehr oder kulturellen Einrichtungen – antisemitische Erfahrungen schränken die gesellschaftliche Teilhabe von Jüdinnen:Juden sowie ihre Zukunftsperspektiven ein. Hinter jeder Zahl stehen individuelle Erfahrungen, biografische Brüche, häufig auch (Re-)Traumatisierungen. Die Vorfälle entfalten weitreichende Auswirkungen auf das Wohlbefinden, die psychische Gesundheit, das Sicherheitsgefühl sowie das Vertrauen in staatliche und gesellschaftliche Institutionen. Ihre Bearbeitung erfordert spezifische fachliche Expertise, ein traumasensibles Vorgehen und ein differenziertes Verständnis der historischen wie gegenwärtigen Dimension antisemitischer Gewalt.
Hier setzt die Arbeit von OFEK Hessen als regionaler Ableger von OFEK e.V. an. In enger Kooperation mit RIAS Hessen wird das Melde- und Beratungsnetzwerk kontinuierlich ausgebaut, um Betroffenen eine bedarfsgerechte Unterstützung zu ermöglichen. Gemeinsame Auftritte, abgestimmte Öffentlichkeitsarbeit und gegenseitige fachliche Unterstützung stärken die Handlungsfähigkeit beider Organisationen.
Unser Dank gilt RIAS Hessen für die fundierte Dokumentations- und Analysearbeit sowie für die vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit. Sie bildet eine wesentliche Grundlage für das gemeinsame Ziel, antisemitische Gewalt sichtbar zu machen, ihr wirksam zu begegnen und Betroffene nachhaltig zu stärken.
OFEK Hessen