2025 – eine Zusammenfassung

RIAS Hessen dokumentiert
1099 antisemitische Vorfälle

RIAS Hessen dokumentierte zwischen dem 1. Januar 2025 und dem 31. Dezember 2025 insgesamt 1099 antisemitische Vorfälle. Dies bedeutet eine Steigerung von rund 18 Prozent im Vergleich zu 2024.

RIAS Hessen hatte 2024 infolge der Entgrenzung des Antisemitismus seit dem 7. Oktober 2023 einen Anstieg um 75 Prozent (926 Vorfälle) im Vergleich mit dem Vorjahr (2023: 528 Vorfälle) verzeichnet. Die antisemitische Welle führte zu einem Anstieg der Vorfallszahlen nicht nur in Hessen, sondern bundesweit.

„Warum setzt das Denken aus, wenn es um Juden oder Israel geht? Weil sie einfache Botschaften vermitteln? Und weil sie Emotionen bedienen? Sicher. Aber das ist bei weitem nicht alles: Sie werden vor allem geglaubt, weil sie auf fruchtbaren Boden fallen. Weil sie ein kulturelles Gedächtnis anzapfen, das über Jahrhunderte mit Vorurteilen, Ablehnung und Hass gespeist wurde. Weil dadurch eine komplexe und vielschichtige Wirklichkeit in ein simples Schema von Gut und Böse mit festgelegten Rollen gepresst wird. … Und weil sie eine erprobte und gut funktionierende Projektionsfläche bieten, an der man sich aus seiner moralisch erhabenen Position abarbeiten kann … Der Antisemitismus ist ein Test für die moralische Gesundheit der Gesellschaft insgesamt. Und um die ist es derzeit nicht allzu gut bestellt. … Wer schweigt, überlässt den Raum denen, die ihn mit Hass füllen.“Daniel Neumann: Das Gerücht über Israel, in: Jüdische Allgemeine, 6. September 2025, https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/das-geruecht-ueber-israel/.
Daniel Neumann, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Hessen

Seit Beginn der operativen Tätigkeit 2022 verzeichnete RIAS Hessen bislang jedes Jahr einen Anstieg antisemitischer Vorfälle. Hierbei ist nicht nur die  quantitative Zunahme relevant, sondern auch, dass Betroffene es mit einer neuen Intensität der antisemitischen Konfrontation zu tun haben und sich zudem Tatorte verlagern, bspw. ins Wohnumfeld oder in die Umgebung von Synagogen.

Anstieg der Vorfälle im öffentlichen Raum

RIAS Hessen wurde 2025 kein Fall extremer Gewalt (Inkaufnehmen des Todes, Entführung etc.) gemeldet. Es sind aber Vorfälle bekannt geworden, in denen Menschen gegen den Kopf getreten oder die allgemein geschlagen wurden und sich in ärztliche Behandlung begeben mussten. Die Zahl der physischen Angriffe ging leicht zurück auf 27 Vorfälle (2024: 33), ebenso die Bedrohungen, von denen RIAS Hessen 2025 insgesamt 41 bekannt wurden (2024: 48). RIAS Hessen dokumentierte sieben Fälle von Diskriminierung (2024: 15).

Gezielte Sachbeschädigungen, bspw. gegen Gedenkorte oder jüdische Einrichtungen, wurden in 58 Fällen dokumentiert, ein Anstieg um rund 81 Prozent (2024: 32). Die Zahl versendeter Massenzuschriften ging auf 13 Vorfälle (2024: 53) zurück. Mehr als 959 Meldungen wurden nach RIAS-Kriterien als verletzendes Verhalten gewertet (2024: 760).Dies ist eine Kategorie, die sämtliche antisemitischen Aussagen oder Vorfälle gegen jüdische wie nichtjüdische Personen oder Institutionen umfasst, darunter auch Face-to-Face-Beleidigungen, antisemitische Schmierereien oder Versammlungen, auf denen Antisemitismus geäußert wird.

319 der Vorfälle (2024: 377) wiesen noch immer einen direkten Bezug zum 7. Oktober 2023 auf.

Antisemitische Vorfälle fanden überall statt, wobei es signifikante Steigerungen im Umfeld von Synagogen gab (2025: 40 Vorfälle, 2024: 26); außerdem im ÖPNV (2025: 83 Vorfälle, 2024: 45), im Wohnumfeld (2025: 51 Vorfälle, 2024: 37) sowie in Kunst- und Kultureinrichtungen (2025: 52 Vorfälle, 2024: 37). Auch in Bildungseinrichtungen erhöhten sich die Vorfallszahlen leicht (2025: 190 Vorfälle, 2024: 178).

Die quantitative Auswertung und eine qualitative Einordnung der Zahlen des Jahres 2025 finden sich in dem Abschnitt zum Jahr 2025 in Zahlen, „Antisemitismus in Hessen 2025“.

Antisemitisches Erleben zieht weite Kreise, wirkt in Familien und Freundeskreise hinein. Wirkt sich aus auf den Alltag, die Zukunftsplanungen und die Frage aus, ob es sicher genug ist, abends die S-Bahn zu nehmen. Dani Kranz ordnet diese Situation analytisch ein.

In unseren Fokuskapiteln gehen wir, basierend auf der Dokumentation von RIAS Hessen, in eine qualitative Analyse. Das erste Kapitel beleuchtet „Demonstrationen, Mahnwachen und Kundgebungen. Antisemitische Raumnahmen und Gegenstrategien
Matteo Alba, der für RIAS Hessen im Monitoring von Versammlungsgeschehen aktiv ist, hat sich bereit erklärt, einen kurzen Erfahrungsbericht zu schreiben. Dies ergänzt die Einordnung des Versammlungsgeschehens.

Das zweite Fokuskapitel beschreibt die Situation, wie sie sich in Bildungseinrichtungen 2025 darstellte. Dies ist das dritte Jahr in Folge, dass wir uns mit antisemitischem Geschehen an Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen befassen. Dadurch werden Entwicklungen und Kontinuitäten sichtbar, die aus einem einmaligen Fokuskapitel nicht abzulesen sind. Wie sich dieser Alltag auf junge jüdische Menschen, jüdische Studierende in Hessen, auswirkt, schildert eine Vertreterin des Verbandes jüdischer Studierender Hessen.

Oliver Dainow hat uns seine Ansprache anlässlich des Gedenkens an den 9. November 1938, die er am 11. November 2025 in Hanau gehalten hat, zur Verfügung gestellt. Seien Worte trafen vieles aus den vergangenen zwei Jahren sehr genau. Mit dieser Rückschau beschließen wir den Jahresbericht 2025.