Das Jahr 2025

Ein Rückblick auf Aktivitäten und Strategien von Susanne Urban

RIAS Hessen konnte im Mai 2025 mit Gabriel Hoppe einen neuen Kollegen begrüßen, der seitdem das Team und unseren Austausch menschlich wie professionell bereichert. 2026 starten wir dennoch aufgrund von einer Person in Elternzeit erneut mit nur knapp 2,5 Stellen in das Jahr und das bedeutet für uns, dass wir aus der extremen Belastungssituation nicht herauskommen.

Wir drei sind an allen Kernaufgaben beteiligt. Wir nehmen die Meldungen Betroffener an, dokumentieren und besprechen Vorfälle im Team. Wir schreiben jedem und jeder meldenden Person oder Einrichtung zurück, kommunizieren, versuchen herauszufinden, ob weitere Bedarfe bestehen, beispielsweise nach rechtlicher Beratung oder psychosozialer Begleitung, der Vermittlung von Bildungsangeboten etc. Mehr als ein Drittel der Vorfälle des Jahres 2025 wurden in dieser intensiven Form bearbeitet.

Wir kontaktieren sehr oft unsere Kolleginnen von OFEK Hessen e.V. Sie sind unsere engsten Partnerinnen in der tiefergehenden Befassung mit Betroffenen, denn dort gibt es die umfassende communitybasierte Begleitung, die wir in dieser Form gar nicht leisten können. Dort erhalten Personen, die Antisemitismus erfahren, professionelle Begleitung. Zudem verfügen OFEK und der Bundesverband RIAS e.V. über ein Netz von Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten.

Wir nehmen uns auch die Zeit, mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden Hessen sowie Vertreterinnen und Vertretern der einzelnen Gemeinden zu sprechen und uns auszutauschen. Wir möchten wissen, wo und wann es uns braucht – diese Vernetzung gehen wir 2026 noch intensiver an.

Das enge Zusammenspiel mit dem Verband Jüdischer Studierender Hessen sowie einzelnen jüdischen Gruppen bspw. an Hochschulen hat uns mit der jüdischen Community in all ihrer Diversität weiter verbunden.

Mit OFEK Hessen und der Meldestelle Antiziganismus Hessen (MIA Hessen) sowie, seit November 2025, auch mit unserem neuen Kooperationspartner, dem Deutschen Exilarchiv 1933 bis 1945 in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt, treffen wir uns zu Gesprächen, veranstalten gemeinsam Workshops und sind mitten in den Planungen für 2026 und die Folgejahre.

Dr. Susanne URban und Dr. Sylvia Asmus © DNB/Jesko Bender
Dr. Sylvia Asmus und Dr. Susanne Urban während der Eröffnung der Ausstellung von RIAS Hessen in der Deutschen Nationalbibliothek, April 2025 © DNB/Jesko Bender

Der Schulterschluss mit diesen Partnerinnen und Partnern ist stärkend; für uns von RIAS Hessen erweitert sich bei jedem Gespräch unser Horizont.

Mit dem Hessischen Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus (HKE), angebunden im Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz, aber auch mit der Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit, Polizeipräsidien und den dort wissenschaftlich in der Prävention Mitarbeitenden, hat sich ein regelmäßiger Austausch entwickelt, der für unsere Arbeit sehr wichtig geworden ist.

Ein sehr guter Kontakt besteht zu Uwe Becker, dem Beauftragten der Hessischen Landesregierung für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus und zu Christina Kreis, der Antisemitismusbeauftragten der hessischen Justiz, sowie ihrem Kollegen, Dr. Philipp Georgy.

Auch mit den Beauftragten gegen Antisemitismus an den Hochschulen in Hessen haben sich die Beziehungen weiterentwickelt; zudem hat RIAS Hessen im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur in Sachen Antisemitismus ebenfalls feste Ansprechpartner.

Persönliche Kontakte sind ein Garant für kurze Wege und unbürokratische Absprachen und vertiefen das Verständnis für unterschiedliche Arbeitsweisen und auch die Möglichkeit, Betroffenenperspektiven breit in Politik und Gesellschaft hineinzuvermitteln.

Der Bundesverband RIAS e.V. & die Bundesarbeitsgemeinschaft

Auf den drei Sitzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) 2025 und in engem Austausch mit dem Geschäftsführer des Bundesverbandes, Benjamin Steinitz, sowie den vielen Kolleginnen und Kollegen des Bundesverbandes RIAS werden wichtige Fragen diskutiert, Konzepte weiterentwickelt und Strategien besprochen. Wir wissen, dass es bei Bedarf immer jemanden aus der „RIAS-Familie“ gibt, der oder die ansprechbar ist, um Problemstellungen und offene Themen zu klären. Die Arbeitsgemeinschaften der BAG sind wichtig für den Austausch über Projekte und die vielen permanenten Aufgaben und dienen somit auch der Qualitätssicherung.

Veranstaltungen und Bildungsarbeit

RIAS Hessen koordiniert seit 2022 die „Konzeptwerkstatt Antisemitismus“, in der sich Vertreterinnen und Mitarbeiter antisemitismuskritischer Bildungseinrichtungen aus Hessen in einem nicht-öffentlichen Format zwei Mal jährlich treffen, um Fragen aus Bildung, Forschung und akuter Gegenwart zu diskutieren. Im April 2025 wurde das zweite Working Paper der Gruppe veröffentlicht, „Antisemitismuskritische Bildungsstandards nach dem 7. 10. 2023“. Im Oktober 2025 trafen wir uns in den Räumen der Deutschen Nationalbibliothek und erhielten im Anschluss an unser Meeting noch eine Führung durch die Exil-Ausstellung.

Dann gibt es noch die „Werkstattgespräche Antisemitismus“, bei denen sich RIAS Hessen in Partnerschaft mit anderen Einrichtungen präsentiert und Themenfelder gemeinsam diskutiert.

Anfang November 2025 konnte RIAS Hessen gemeinsam mit dem Antisemitismusbeauftragten des Landes in Frankfurt im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum die Dokumentation „The Children of October 7“ zeigen, unter Beteiligung einer jungen Überlebenden des Massakers vom 7. Oktober 2023. Ein intensiver und aufwühlender Abend.

Einladung
Einladung

RIAS Hessen war 2025 auf zahlreichen Veranstaltungen präsent, sei es mit Vorträgen zu den Ursprüngen der antisemitischen Welle nach dem 7.Oktober 2023 oder zu antisemitischen Gelegenheitsstrukturen oder, indem wir Workshops zu Antisemitismus anbieten.

Was uns besonders freut: unsere Ausstellung „Ja, DAS ist Antisemitismus! Jüdische Erfahrungen in Hessen“ wandert und wandert … 2025 war sie an der Universität Kassel, der Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (Campus Kassel), der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt, dem Polizeipräsidium Frankfurt, dem Hessischen Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz, der Edith Stein-Schule in Darmstadt, der University of Applied Sciences Frankfurt sowie im Justizzentrum Wiesbaden zu sehen.

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Eröffnung der RIAS-Ausstellung an der UAS Frankfurt, November 2025 © conceptdesign/RIAS Hessen

Mit den beiden Staatsministern Roman Poseck und Christian Heinz waren die Eröffnungen im Innenministerium und im Justizzentrum jeweils prominent begleitet. Die Ausstellung wurde mittlerweile dupliziert und steht der Hessischen Sportjugend zur Verfügung. Sie war daher in den letzten Wochen des Jahres 2025 auch in der Sportschule Frankfurt zu sehen.


In die Öffentlichkeit gehen: Zahlen und Fakten

RIAS Hessen hat von Anfang an in Kontakt mit der Gesellschaft treten wollen,  um über Antisemitismus aufzuklären und die verschiedenen antisemitischen Erscheinungsformen zu sensibilisieren, und um, gemeinsam mit Vertreterinnen und Mitgliedern der jüdischen Community zu verdeutlichen, was Alltagsantisemitismus bedeutet. Dafür nutzen wir unsere Dokumentation und wissenschaftliche Erkenntnisse der antisemitismuskritischen Forschung.

Es ist uns unterjährig gelungen, Veranstaltungen zu organisieren, Vorträge zu halten und Interviews zu geben. Im Folgenden sind einige Highlights zu sehen, wobei ein wiederkehrender Jour Fixe oder Termine wie z.B. mit dem Antisemitismusbeauftragten des Landes Hessen nicht berücksichtigt wurden.Einzelheiten gibt es unter https://rias-hessen.de/aktuelles-und-rueckblicke/aktuelles/

Bundesarbeitsgemeinschaft RIAS 2025

Und dann gab es noch: Beratungen für Bildungsangebote, Expertisen, Öffentlichkeitsarbeit, Social Media, PR, Interviews …

 

Dr. Susanne Urban © Markus Farnung

Dr. Susanne Urban © Markus Farnung

Dank

Zum Schluss möchte ich Gabriel Hoppe und Leonie Nützl danken. Gemeinsam schaffen wir es, RIAS Hessen durch stürmische Gewässer zu lenken, gemeinsam überlegen wir, wie wir am besten Betroffenen helfen können. Auch ist unser Team ein stabiler Rückhalt in rauen Zeiten.

Gemeinsam danken wir den Personen, die für uns 2025 ein engagiertes Monitoring übernommen haben. Ohne euch könnten wir die operative Arbeit nicht bewältigen. Ihr seid ansprechbar, zugewandt und wir schätzen eure Verlässlichkeit über alle Maßen. Danke!

Dr. Susanne Urban
(Projektleitung RIAS Hessen)